Hobba.

Feste Zahlen

15. September 2026 · Sebastian

Ein Fehlerbericht in einem Satz, eine plausible Vermutung, ein Versuch — und die Vermutung war falsch. Das ist die nützlichste Stunde dieser Woche gewesen, und sie endete bei einem Fehler, der seit einer Version ausgeliefert wird.

Der Bericht

„Betrifft alle L Größen. XL und M sind in Ordnung.“ In der Widget-Galerie unter iOS 27 war bei jedem großen Widget der obere Rand abgeschnitten; bei „Aufgaben“ fehlte das „+“ oben rechts.

Die Vermutung

Am selben Tag hatten genau drei Widgets eine neue Größe bekommen: die seitenfüllende, die iOS 27 mitbringt. Und genau diese drei waren die großen. Die Vermutung lag auf der Hand — bietet ein Widget zwei Größen an, rechnet das System die kleinere für die größere aus.

Plausibel. Und falsch.

Der Versuch

Statt die Vermutung zu glauben, bekam sie eine Gegenprobe in einem einzigen Bau: Drei Widgets verloren die neue Größe wieder, das vierte — das neue Projektbrett — behielt sie. Wenn die Vermutung stimmt, sind die drei heil und das vierte kaputt.

Das Ergebnis war das Gegenteil. Heil war ausgerechnet das eine, das die neue Größe behalten hatte. Und kaputt war zusätzlich ein mittleres Widget, das diese Größe nie besessen hat.

Die Ursache

Die kaputten Widgets rechneten gar nicht nach, wie viel Platz sie haben. Sie setzten feste Zeilenzahlen: sieben hier, neun dort, vier im mittleren. Zahlen, die einmal auf einem Gerät ausprobiert worden waren und seitdem stimmten.

Unter iOS 27 stimmen sie nicht mehr. Und wenn Inhalt höher wird als sein Rahmen, schneidet SwiftUI ihn nicht unten ab — es zentriert ihn. Deshalb fehlte oben das „+“ und unten die Fußzeile, gleichzeitig. Ein Widget, das zu viel zeigt, sieht aus wie eines, das zu wenig Platz hat.

Die Gegenprobe ging danach lückenlos auf: Jedes Widget, das seine Höhe misst, war heil. Jedes mit einer festen Zahl war beschnitten. Keine Ausnahme.

Das Unangenehme daran

Derselbe Schaden war zwei Wochen früher schon einmal da, bei einem anderen Widget. Dort wurde damals auf Messen umgestellt — und die anderen ließ man bewusst in Ruhe, mit der Begründung, der Gewinn sei null. Der Gewinn war nicht null. Er war nur noch nicht fällig.

Und weil man beim Nachsehen Dinge findet

Beim Prüfen der Dynamic Island fiel im Sperrbildschirm der Fokus-Zähler auf: Statt 19:23 stand dort 19: und ein Strich auf der nächsten Zeile. Der Rahmen war um acht Prozent zu schmal — nachgemessen, nicht geschätzt.

Das steckt seit Version 1.4 im Store, und es ist nie jemandem aufgefallen: „4:59“ hat vier Zeichen und passt bequem. Fünf Zeichen gibt es nur bei der 25-Minuten-Sitzung, und dort nur in den ersten fünfzehn Minuten. Die Fünf-Minuten-Sitzung löst es nie aus — und die ist die, die man beim Ausprobieren nimmt.

Was bleibt

Ein Versuch, der die eigene Vermutung widerlegt, ist mehr wert als einer, der sie bestätigt. Und eine Zahl, die einmal gestimmt hat, ist keine Messung — sie ist eine Erinnerung an ein Gerät, das es so nicht mehr gibt.